Querfront, Antisemitismus, Nationalismus
Ostermärsche sind wichtige Veranstaltungen der Friedensbewegung, mit denen sich auch viele Linke identifizieren. Nachdem das Umbruch-Bildarchiv hier seine Fotostrecke mit einem affirmativen Text beworben hat,
https://de.indymedia.org/node/729427
der die antisemitische Querfrontveranstaltung der Berliner Friko normalisiert, wollen wir einiges geraderücken – wenn auch mit einiger Verspätung:
Der diesjährige Friko-Ostermarsch war erneut geprägt von Desinformation, Täter-Opfer-Umkehr, Verschwörungserzählungen, Antisemitismus, Antiamerikanismus und Nationalismus. Er ist ein Paradebeispiel für Querfrontbestrebungen in der Friedensbewegung: Von der DKP bis zu AfD-Vorfeldorganisationen, vom Corona-Schwurbel bis zur GEW – alle wollten und sollten mitmachen. Unter dem an Beliebigkeit kaum zu übertreffenden Label „Frieden“ offenbart sich die Sehnsucht nach der Volksgemeinschaft. Verbindende Elemente sind Antisemitismus, Nationalismus und Putinverharmlosung. Wunsch und Wirklichkeit der Friko klaffen aber weit auseinander: Obwohl sich die Friko bemühte, noch die fragwürdigsten Protagonist*innen zu integrieren, kamen nur geschätzt 1600 Teilnehmende zu ihrem Aufmarsch.
Wer ist die Friko?
Die Friko entstand 1980 im Zuge der breiten Proteste gegen den NATO-Doppelbeschluss zur Raketenstationierung in Deutschland aus unterschiedlichen Gruppen der Friedensbewegung. Aus heutiger Sicht ist erwähnenswert, dass sich die orthodox-marxistischen Parteien wie die DKP (in Westberlin: SEW) damals in Bündnissen im Hintergrund hielten, um diese nicht zu diskreditieren. Ziel der DKP/SEW war es, den „Friedenskampf“ der Sowjetunion und der DDR zu unterstützen. Es fällt auf, dass die drei heutigen wesentlichen Protagonistinnen der Friko nah an der DKP bzw deren Umfeld sind (Jutta Kausch-Henken und Laura von Wimmersberg) oder sogar für die DKP an Wahlen teilnehmen (Barbara Majd Amin). Es überrascht daher nicht, dass die Friko genau wie die DKP einen stramm russlandfreundlichen Kurs fährt. Überraschend ist eher, dass sie anscheinend Putin-Russland mit dem untergegangenen „real existierenden Sozialismus“ verbinden.
In der Tradition einer breiten Bündnispolitik versucht die Friko weiterhin, alle diejenigen einzubinden, die sich irgendwie zu „Frieden“ bekennen und organisiert demzufolge Querfront-Veranstaltungen unter Einbeziehung rechter und verschwörungsideologischer Akteure. Die Verbundenheit der Friko mit der Querdenkenbewegung zeigt sich in der Integration des Corona-Schwurbels und beispielsweise im Auftritt der Friko-Moderatorin Majd-Amin bei der Querdenken-Demo am 2.8.2025 in Berlin („ihr seid die Friedensbewegung“).
Dieses strategische Vorgehen der Friko wird seit einiger Zeit von unterschiedlichen Akteur*innen kritisiert. Auch Mitglieder der Berliner VVN-BdA positionieren sich klar gegen die Friko. Quellen dazu am Endes des Beitrags.
Der Aufruf
Der diesjährige Friko-Ostermarsch stand unter dem Motto „Nicht in unserem Namen. Wir sagen nein zum Irrsinn der Kriegspolitik“. Der Aufruf (https://frikoberlin.de/04-04-2026-berliner-ostermarsch-2026/) forderte ein Ende der Aufrüstung, „Verständigung mit Russland statt Schüren von Hass“, keine Waffenlieferungen an die Ukraine und Israel, keine US-Mittelstreckenraketen in Deutschland. Er richtete sich gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht. Er richtete sich auch „gegen Existenzvernichtung von Menschen mit kritischer Meinungsäußerung“. Weiter wurde das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ hervorgehoben.
Der Aufruf reproduziert das russische Narrativ, dass Russland gar keinen Krieg gegen Deutschland führen könne und spricht von einem „Feindbild Russland“, das falsch sei. Gleichzeitig warnt die Friko im Aufruf, dass Russland bereits bei einem Fehlalarm einen atomaren Vernichtungskrieg gegen Deutschland führen könne…
Die Friko schreibt, der „Gazastreifen“ werde „nach wie vor angegriffen“ und nennt dies einen „Völkermord“. – Offenbar macht die Friko keinen Unterschied zwischen dem Gazastreifen und darin agierenden Terrororganisationen und schließt sich einer Propaganda an, die einen böswilligen Vorwurf („Völkermord“) bereits zur Tatsache stempelt (hier wirken Redundanzstrukturen: durch fortwährende Wiederholungen erhalten Behauptungen den Status „wahr“ – eine bewährte Propagandamethode, auch bekannt als Ad-Nauseam-Taktik).
Die Friko macht ausschließlich die USA, die EU, Deutschland und Israel für alle Kriegsübel verantwortlich.
In einer Pressemitteilung (https://frikoberlin.de/wp-content/uploads/2026/03/Erklaerung-Friko-zum-Krieg-gegen-Iran.pdf) zum Krieg gegen das iranische Regime (die PM sollte den Ostermarschaufruf offensichtlich aktuell ergänzen) verurteilt die Friko die von ihr als Kriegsziel angenommene Absicht eines Regime Change im Iran und behauptet, dass der Angriff auf das iranische Regime unprovoziert sei. Die Existenz eines iranischen Atomprogramms, das zum Bau von Atombomben führen kann, wird in der Pressemitteilung geleugnet (dabei ist Warnung vor Atomwaffen das Ur-Thema der Ostermärsche). Stattdessen wird von einer „Expansionspolitik Israels“ geredet und mit den Hinterbliebenen im Iran getrauert. – Offenbar macht die Friko dabei keinen Unterschied zwischen den mörderischen iranischen Machthabern bzw dem iranischen Militär und den Opfern in der iranischen Zivilbevölkerung.
Die Leerstellen
Die Friko benennt nicht die Verantwortlichen in Moskau für den Angriffskrieg gegen die Ukraine, sondern macht Deutschland und die EU für den „Krieg in der Ukraine“ verantwortlich, insbesondere für die Weiterführung des Krieges. Kein Wort davon, dass der Angriffskrieg (gemeint ist hier die Vollinvasion) ein seit mehr als vier Jahren anhaltender Bruch des Völkerrechts ist. Kein Wort davon, dass der Krieg jederzeit durch den Rückzug der russischen Aggressoren beendet werden könnte. Kein Wort über die Kriegsverbrechen, die das russische Militär begeht. Kein Wort der Solidarität mit den Kriegsgegner*innen in Russland, die massiver Repression bis zu Folter und Lagerhaft ausgesetzt sind.
Die Friko verliert auch kein Wort über die wichtigste Kriegsursache im Nahen Osten: Den vom iranischen Regime gestützten Terror der Hamas und Hisbollah gegen Israel, der seit vielen Jahren anhält, obwohl es ausreichend viele verbindliche Resolutionen und Übereinkünfte gibt, diese Organisationen zu entwaffnen. Ebenso kein Wort über das internationale Abkommen über den Gazastreifen, dem nur die Hamas im Wege steht.
Eklatant ist auch die Ignoranz gegenüber den Verhältnissen im Iran, in dem sich das islamistische Regime nur noch mittels blanken Terrors gegen die Bevölkerung an der Macht hält. Ebenso unterschlägt die Friko die Zustimmung der iranischen Opposition zu den Angriffen auf die verhassten Köpfe des Regimes. Man kann aus guten Gründen gegen einen Krieg gegen das iranische Regime sein – aber man muss sich nicht mit dem Regime gemein machen. Der Berliner Ostermarsch drückte dagegen seine Solidarität mit den mörderischen Mullahs auch mit einer Vielzahl von Regime-Fahnen aus.
Verschwörungserzählungen
Die Friko duldet nicht nur Verschwörungserzählungen der teilnehmenden Querdenken-Szene, sondern bedient selbst mehrere Verschwörungsnarrative.
Zum einen behauptet sie, es werde ein „Feindbild Russland“ konstruiert, um einen Krieg gegen Russland führen zu können („Um einen Krieg führen zu können, braucht es neben Waffen auch die Unterstützung der Gesellschaft. Darum das Feindbild Russland.“). Dabei können wir alle sehen, dass ein brutaler russischer Krieg unerträgliches Leid in der Ukraine verursacht (einschließlich Flucht und Vertreibung von mehr als 5 Millionen Menschen in andere Länder) und genau das die Begründung für Aufrüstung in Deutschland ist. Wenn es heute ein „Feindbild Russland“ geben sollte, dann arbeitet dass russische Regime mit seinem Krieg gegen die Ukraine daran kräftig mit.
Zum anderen wird das seit einigen Jahren virulente Verschwörungsnarrativ der staatlichen Repression gegen die Meinungsfreiheit reproduziert: „Der Rechtlosigkeit in der EU und Deutschland sind keine Grenzen mehr gesetzt. Wie im Mittelalter können Menschen, die eine Meinung vertreten, die der Regierung nicht passt, für vogelfrei erklärt werden, ohne Anklage, ohne Gerichtsverfahren, ohne Verteidigung: Reiseverbot, Arbeitsverbot, Maulkorb, kein Zugriff aufs eigene Konto, das bedeutet den Verlust aller Menschenrechte.“ – Dieses Statement ist so abstrus verschwurbelt, dass sich eine Kommentierung erübrigt. Interessant ist aber, das hier Apologet*innen des russischen Regimes in völliger kognitiver Dissonanz einen deutschen Polizeistaat halluzinieren, während in Russland Menschen schon bei der geringsten Äußerung gegen Krieg hinter Gitter wandern.
Antisemitismus
Beim Berliner Ostermarsch werden Klassiker des Antisemitismus camoufliert verbreitet, wie die „jüdische Weltverschwörung“ oder die Ritualmordlegende. Wir wissen: Antisemitismus kann sich auch in einer Umwegkommunikation äußern. Das heißt, dass wahlweise Israel / die Wall Street / die WHO an die Stelle des direkt beschuldigten Juden tritt. Die Querdenken-Szene, die am Berliner Ostermarsch teilnimmt, ist strukturell antisemitisch (1).
Beim Ostermarsch wurde ein riesiges Transparent mit der Aufschrift „One genocide does not justify another“ mitgeführt – ein typisches Beispiel für Post-Shoah-Antisemitismus und die linke Entsprechung der Schuldabwehr, wie sie bisher von rechts betrieben wurde.
Sprechchöre wie „Kindermörder Israel“, „there is only one state, Palestine 48“, “yallah yallah Intifada“, „from the river to the sea…“ oder „Israel verbrennt Kinder, Deutschland steht dahinter“ blieben von Ordner*innen und Versammlungsleitung unbeanstandet.
Nationalismus
„Nationalismus führt zu Krieg“ ist eine linke Binsenweisheit. Die Formierung nationaler Kollektive ist regelmäßig ein Gewaltakt. Die Existenz von Nationalstaaten (bzw. nationaler Bestrebungen) ist eine Bedingung für das Führen von Kriegen. Bei der Friko sind das Denken in Nationalstaaten und geostrategische Forderungen unhinterfragte selbstverständliche Praxis. Das zeigt sich nicht nur in den Texten der Friko, sondern auch in ihren Demonstrationen, die auch von Nationalflaggen geprägt sind. Beim Ostermarsch 2026 waren das in der Mehrzahl Flaggen des nicht existierenden Staats Palästina, Flaggen des Libanon, Kubas, Venezuelas und Flaggen der Islamischen Republik Iran („Mullah-Flaggen“). Darüber hinaus gab es auch die deutsch-russischen Flaggen der „Druschba“ zu sehen. Ganz überwiegend sind das Flaggen von autoritären Staaten (oder Nationalbewegungen), in denen Menschenrechte nicht gelten.
Wer rief auf, wer nahm teil?
Den Aufruf der Friko unterstützten u.a. die DKP Berlin mitsamt SDAJ, BSW Berlin, Die Linke Berlin, VVN-VdA (2), DIDF Berlin, Gewerkschaften wie GEW Berlin, EVU Berlin, IG BAU Berlin, die Friedensglockengesellschaft, „Aufstehen Berlin“ und die „Nachdenkseiten-Gesprächskreise Berlin“. Die SPD-nahe Organisation „Naturfreunde“ beteiligte sich mit einem eigenen Aufruf. Wie immer hat auch die Friedensorganisation IPPNW teilgenommen (diesmal ohne eigenen Redebeitrag).
Den Friko-Aufruf hat auch die Gruppierung „eye4palestine“ unterstützt. Sie ist eng mit Die Linke Neukölln verbunden und hat die „antizionistische“ Szene mobilisiert. So waren dann auch die Aktivist*innen des „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees“ (eine Dachorganisation von Anhänger*innen der Hamas und der PFLP) deutlich sichtbar. Sie formten einen großen Block und waren mit Ordnern in die Demo-Orga eingebunden.
Wie immer dabei: Viele Gruppen und Aktive aus der Querdenken-Verschwörungsszene (1): Allen voran die „Freedom Parade“, deren Protagonist Michael Bründel sich mit Megaphon an der Demo-Orga beteiligte. Dazu die Schwurbelpartei Die Basis, „Friedenstrommler“, die Gruppierung 28. März, die Friedensfahrt Berlin (die sogar als Zubringerdemo von der Friko beworben wurde). All dies sind Organisationen, die der Reichsbürgerszene und der AfD nahestehen. Die „Druschba“, deren Anhänger*innen regelmäßig an Friko-Demos teilnehmen, ist sogar ein echtes AfD-Outlet (3).
Im Demozug zu sehen waren außerdem Parteien wie Team Todenhöfer, BüSo (4), viele autoritär-kommunistische Kleingruppen und weitere Gewerkschaftsgruppen, z.B. aus der IG Metall.
Unter den Teilnehmenden war auch die Interventionistische Linke als Teil des Bündnisses „Rheinmetall Entwaffnen“ (5). Wie immer war der AK Frieden der Berliner VVN-BdA (2) vertreten. Leute mit VVN-Fahne liefen gemeinsam mit der Querdenken-Szene, ohne gegen diese zu protestieren.
Auffällig für eine Friedensdemo ist, dass viele dieser Teilnehmenden Krieg und Gewalt als Mittel der Politik gar nicht grundsätzlich ablehnen, sondern offenbar sogar unterstützen, wenn es gegen die „Richtigen“ geht. Hervorragendes Beispiel dafür sind die palästinensischen Gruppen, die auch auf einer Friedensdemo Gewaltaufrufe nicht bleiben ließen. Fragwürdig agiert aber auch die prominent vertretene DKP, die nicht nur Krieg rechtfertigt, sondern auch den Verein „Friedensbrücke“ (6) unterstützt, der nach Medienberichten wiederum mit russischen Rechtsextremen den Krieg gegen die Ukraine aktiv mit u.a. Waffenlieferungen unterstützt.
Gegenkundgebungen (tbd)
Seit Jahren gibt es notwendige Proteste gegen den Friko-Ostermarsch. Sie werden organisiert von der antifaschistischen Gruppe Antiverschwurbelte Aktion und der Ukraine-solidarischen Community (Vitsche e.V.), u.a.
In diesem Jahr gab es am Mauerpark eine Gegenkundgebung der „Antiverschwurbelten Aktion“ (https://www.instagram.com/p/DWpJrURDJ_x/?img_index=1), zu der sich Aktivist*innen gegen Antisemitismus gesellten. Unter dem Motto „Frieden nicht den Rechten überlassen! Gegen den Querfront-Ostermarsch der Friko am Mauerpark“ wurde die Querfront aus autoritären Kommunisten und rechten bis rechtsextremen Akteur*innen angeprangert. Ebenso wurde auf den Antisemitismus im Ostermarsch hingewiesen. Die Antiverschwurbelte Aktion kritisierte, dass Antifaschist*innen (VVN) und Aktivist*innen, die sich selbst als progressiv und antiautoritär verstehen (Interventionistische Linke) gemeinsam mit Rechtsextremen marschieren.
An der Strecke gab es eine weitere Gegenkundgebung (https://vitsche.org/de/news/wegsehen-in-unserem-namen-eine-performative-intervention-gegen-friedensblindheit/) des ukrainischen Vereins Vitsche, die sich gegen die Ignoranz der Friko gegenüber dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine wandte.
Beide Gegenkundgebungen wurden von Teilnehmenden des Ostermarschs angepöbelt und beleidigt.
Fazit
Der Friko ist es erneut nicht gelungen, eine für eine 4-Millionenstadt relevante Anzahl von Menschen für ihre Zwecke auf die Straße zu bringen – trotz hoher Aktualität des Themas. Dabei war die Friko bei der Bündnisarbeit sehr fleißig: Nach der Integration der rechten Verschwörungsszene und der gewaltaffinen „pro-palästinensischen“ Aktivist*innen gelang es in diesem Jahr, den Berliner Landesverband von „Die Linke“ und seriöse Gewerkschaften wie die GEW ins Boot zu holen. Nicht gelungen ist das Anlocken der Anti-Wehrpflicht-Bewegung. Nicht einmal 1 Promille der Berliner Bevölkerung folgte der russlandfreundlichen und antisemitischen Querfrontstrategie. Es sind aber immer noch zu viele, die sich für die Inhalte der Friko, die an die Ideologie der Sowjetunion angelehnt sind, einspannen lassen. Die Presseberichte zum Berliner Ostermarsch sind in jedem Jahr vernichtend („Für Frieden und Russland“, Tagesspiegel).
Der Friko-Ostermarsch ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie sich die Friedensbewegung in völliger Ignoranz gegenüber realen Verhältnissen selbst diskreditiert.
Für alle Linken, denen egalitär-emanzipatorische Inhalte und Antifaschismus wichtig sind, ist die Friko keine Bündnispartnerin.
Ein Genosse aus der VVN-BdA drückte es zu einer anderen Querfront-Friedensdemo so aus: „Die ausbleibende Thematisierung und fehlende Intervention linker und emanzipatorischer Gruppen gegen diese reaktionären Zusammenschlüsse legitimiert nicht nur [die] entsprechenden Protagonist*innen, sondern trägt auch zur Normalisierung ihrer Narrative bei. In der strategischen Auseinandersetzung gilt es wahrzunehmen, dass sich ein erheblicher Teil der Friedensbewegung zur Zusammenarbeit mit rechten und verschwörungsideologischen Akteur*innen entschieden hat – eine neue und tatsächlich auch beunruhigende Entwicklung.“ https://antifa.vvn-bda.de/2025/11/09/brueckenbau-nach-rechts/
Blick über den Berliner Tellerrand
Dass es auch ohne Querfront geht, zeigt ein Blick nach NRW und München:
In Nordrhein-Westfalen wird immerhin versucht, Rechte und Schwurbel von Ostermärschen fernzuhalten:
Der Ostermarsch Rhein-Ruhr 2026 hatte einen antifaschistischen Grundkonsens. Der Aufruf ist solidarisch mit Geflüchteten und fordert ausdrücklich Asyl für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure aus Russland und der Ukraine.
Diese Selbstverständlichkeiten wirken abschreckend auf unerwünschte Teilnehmende. Organisationen der Friedensbewegung in NRW positionieren sich klar gegen den rechten Schwurbel, der sich auf dem rechtsoffenen Düsseldorfer Ostermarsch tummelt.
https://www.friedenskooperative.de/friedensforum/artikel/friedensbuendnis-nrw
https://nrw.dfg-vk.de/wp-content/uploads/sites/19/2023/06/Warum-wir-gegen-eine-Zusammenarbeit-mit-dem_fin.pdf
So bleibt dem rechtsschwurbelnden „Friedensbündnis NRW“ nur der Ostermarsch Düsseldorf, den es gemeinsam mit DKP und BSW organisiert.
In München ist der Schwurbel vom „traditionellen“ Ostermarsch und auch von der Anti-Siko-Demo ausgeschlossen und muss eigene Veranstaltungen machen. Deswegen gab es in München einen zweiten Ostermarsch von „Die Basis“ und Jürgen Todenhöfer.
(1) Berliner Schwurbel
Beispielhaft für die Aktivitäten der Berliner Schwurbelszene um Michael Bründels Freedom Parade ist die hier geschilderte Demo am 24.05.2025, bei der sie in bester Partylaune gemeinsam mit Nazis über die Straße des 17. Juni zogen: https://taz.de/Rechtsextreme-und-Querfront/!6090466/
Infos zum Protest gegen die Querdenken-„Friedens“-Demo am 2.08.2025, den Friko-Barbara ganz schlimm fand: https://berlin-gegen-nazis.de/2-august-protest-gegen-querdenken-jahrestag-in-mitte/
Ältere Beiträge:
https://berlin-gegen-nazis.de/rechtsextreme-kundgebung-und-verschwoerungsideologische-demonstrationen/
https://berlin-gegen-nazis.de/protest-gegen-verschwoerungsideologiche-friedensdemonstration-in-mitte/
(2) VVN-VdA, AK Frieden der Berliner VVN-BdA
Die VVN-VdA ist eine Westberliner Gliederung der VVN-BdA. Wer die Aktivitäten dieser Gruppierung beobachtet, sieht, dass sie gegen den Grundkonsens der VVN_BdA verstößt: „Für die VVN-BdA ist das Verhältnis zu Israel in erster Linie davon bestimmt, dass dort eine große Zahl von Überlebenden des Holocaust und deren Nachkommen leben. Israel ist der Zufluchtsort für Jüdinnen und Juden aus aller Welt.
Wer diese grundsätzliche Konsequenz nach der Shoah infrage stellt, kann für uns kein Bündnispartner sein.“ https://vvn-bda.de/beschluss-8-gegen-jeden-antisemitismus-2/ Zuletzt zeigte sich die Ignoranz der VVN-VdA gegenüber dem antifaschistischen Grundkonsens darin, dass sie die Gedenkstätte Buchenwald für antiisraelische Agitation nutzen wollte.
Der AK Frieden der Berliner VVN-BdA ist fester Bestandteil des rechtslastigen Friko-Schwurbels und hält damit keine Distanz zu AfD und Antisemit*innen.
Beide Gruppen ignorierten den Ostermarschaufruf des Gesamtverbandes, in dem es hieß: „Wir rufen in diesem Jahr besonders dringlich dazu auf, Ostermärsche und andere Aktivitäten für den Frieden zu unterstützen. Dabei arbeiten wir nicht mit rechten Kräften, wie beispielsweise AfD und Basis, zusammen.“
https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2026/aufrufe/vvn-bda
-> Wer mit Rechten und Antisemit*innen läuft, hat den Antifaschismus verraten.
(3) Druschba https://www.sueddeutsche.de/muenchen/friedensdemo-russland-kontakte-rothfuss-afd-sicherheitskonferenz-muenchen-li.3384912?reduced=true
(4) BüSo
Die „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“ ist eine Kleinpartei, die aus der EAP, danach „Patrioten für Deutschland“, hervorgegangen ist. Vorsitzende ist Helga Zepp-LaRouche. Der bekannte Rechtsanwalt und Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele ordnete sie klar als „antisemitisch und rechtsradikal“ ein.
https://philtrat-muenchen.de/unter-dem-deckmantel-neuer-solidaritat/
BüSo nimmt nicht nur an den Ostermärschen der Friko teil, sondern auch am jährlichen Friko-Antikriegsmarkt. Beim Markt am 31.08.2025 hatte die BüSo einen Infostand, ohne dass sich jemand (etwa die ebenfalls teilnehmende VVN) daran gestört hätte. https://x.com/reclaimrosalux1/status/1962842303308992897 (Post vom 02.09.2025)
Weitere Infos:
https://rheinmain-rechtsaussen.org/glossar/burgerrechtsbewegung-solidaritat-buso-larouche-netzwerk/
https://antifainfoblatt.de/aib75/ein-bueso-eurasien
https://www.endstation-rechts.de/news/codierter-antisemitismus
https://www.refrat.de/antifa.bueso.vortrag.html
(5) Rheinmetall Entwaffnen
Es ist klar, dass RME kein pazifistisches Bündnis ist, dennoch drängen sich drei Fragen auf:
1. Sind Waffenlieferungen an Rojava OK, selbst wenn die Waffen in Deutschland hergestellt werden und deutsche Kapitalist*innen reicher machen? Oder müssen die Gewehre von Heckler&Koch und die Fahrzeuge von Krauss-Maffei-Wegmann wieder abgegeben werden?
2. Ist es ein Zeichen von Bündnisheteroginität, kognitiver Dissonanz oder hat es andere Gründe, wenn einerseits aus dem Talmud zitiert https://rheinmetallentwaffnen.noblogs.org/post/2024/08/14/communique-von-rheinmetall-entwaffnen-stoppt-den-krieg-in-rojava/), anderseits aber das Narrativ eines „weitergehenden Genozids“ und unverhohlener Antisemitismus verbreitet wird? Z.B. im Blogbeitrag vom 19.12.2023: „Seit dem 7. Oktober 2023 verdient die Bundesregierung sich goldene Zähne an den Gräueltaten des israelischen Militärs.“https://rheinmetallentwaffnen.noblogs.org/post/2023/12/19/rede-auf-der-kundgebung-vor-rheinmetall-pierburg-in-berlin-wedding/
3. Ist der Terror der PFLP ein unterstützenswerter nationaler (!) Befreiungskampf, oder warum stellt RME Leila Khaled als Ikone dar? https://www.instagram.com/p/CUQB10hoyBb/ https://www.instagram.com/p/CYL0DcUqQcZ/
(6) DKP, Friedensbrücke
https://dkp.de/wp-content/uploads/Einschaetzung-des-Krieges-gegen-die-Ukraine-Krieg.pdf https://dkp.de/internationale-solidaritaet-ist-kein-verbrechen/ https://jungle.world/artikel/2023/16/mit-nazis-russland
https://x.com/nomnomcookieez/status/1642053697587871745
Weitere Infos:
Über die Querfrontstrategie der Friko: https://www.mixcloud.com/StudioAnsage/200324-ist-das-noch-rechts-offen-oder-schon-querfront/
https://jungle.world/artikel/2023/15/kaffeefahrt-ins-maerchenland https://antifa-nordost.org/13615/kein-frieden-mit-rechten-gegen-querfront-bestrebungen-innerhalb-der-berliner-friko-und-den-schulterschluss-mit-rechten-in-teilen-der-friedensbewegung/
VVN AK gg Antisemitismus: https://www.instagram.com/p/DPOnVhGDAyO/
Rechte und verschwörungsideologische Einflussnahme auf die Friedensbewegung:
https://vvn-bda.de/wp-content/uploads/sites/1/2024/09/2024_Einflussversuche-auf-die-Friedensbewegung_Studie_FINAL-1.pdf
Struktureller Antisemitismus der Querdenkenszene
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/tacheles-struktureller-antisemitismus-ist-antisemitismus-noch-ohne-juden-66257/
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/verschwoerungstheorien-2021/339288/verschwoerungsmythen-und-antisemitismus/
